Rhein erreicht seinen Tiefststand: 11 cm Fahrwasser legen Kaub lahm
Der Rhein hat in Deutschland einen neuen Tiefststand erreicht. Das meldet die deutsche Binnenschifffahrtsagentur WSV. Die schiffbare Wassertiefe bei Kaub, in der Nähe von Koblenz, betrug am Mittwoch nur noch 11 Zentimeter. Dadurch können Frachtschiffe festlaufen, und die Nord-Süd-Schifffahrt ist an dieser Stelle praktisch zum Erliegen gekommen.
Die Folgen sind in der gesamten Logistikkette unmittelbar spürbar. Schiffe fahren nur mit einem Bruchteil ihrer Kapazität, Ladungen müssen auf mehrere Schiffe verteilt werden, und industrielle Abnehmer warnen vor höheren Kosten. Unterdessen suchen Deutschland und die Transportbranche intensiv nach Alternativen auf Schiene und Straße.
Rhein bei Kaub nahezu unschiffbar
Die Binnenschifffahrtsagentur WSV meldete, dass die befahrbare Wassertiefe bei Kaub am Mittwoch 11 Zentimeter betrug. Kaub, südlich von Koblenz, ist einer der flachsten und wichtigsten Engpässe des Mittelrheins. Wer von den niederländischen Seehäfen nach Süddeutschland oder in die Schweiz fahren will, muss diesen Punkt passieren.
Die meisten Schiffe können daher weder in Richtung Norden noch in Richtung Süden an Kaub vorbeifahren. Laut einem lokalen Rohstoffhändler steht die Nord-Süd-Schifffahrt an dieser Stelle faktisch still. Damit teilt sich der Rhein in der Praxis in zwei separate befahrbare Abschnitte: einen nördlichen Abschnitt in Richtung Niederlande und einen südlichen Abschnitt in Richtung Mannheim, Karlsruhe und Basel.
Für die Transportströme vom und zum Hafen von Rotterdam hat dies unmittelbare Folgen. Der Transport per Binnenschiff in Richtung Süddeutschland ist derzeit kaum noch planbar, ohne Alternativen in der Hinterhand zu haben.
Was genau bedeuten 11 Zentimeter Fahrwassertiefe?
Wichtig zu wissen: Die schiffbare Wassertiefe ist nicht gleichbedeutend mit dem Wasserstand des Rheins an dieser Stelle. Unterhalb des gemessenen Wertes befindet sich noch etwa ein Meter Wasser. Die 11 Zentimeter sind ein Referenzwert, der angibt, wie viel Spielraum Schiffe über dem kritischen Minimum haben.
In der Praxis bedeutet ein so niedriger Wasserstand, dass Schiffe ihren Tiefgang drastisch einschränken müssen. Wer zu schwer beladen ist, läuft in seichtem Wasser auf Grund. Mehreren Quellen zufolge fahren manche Schiffe derzeit mit nur 20 Prozent ihrer Kapazität.
Das macht den Transport auf dem Rhein nicht nur langsamer, sondern vor allem teurer. Um die gleiche Ladungsmenge zu befördern, sind nämlich viel mehr Schiffsfahrten erforderlich, während die verfügbare Flotte nicht einfach so wächst. Niedrigwasserzuschläge steigen dadurch schnell an.
Industrie warnt vor höheren Kosten
Unter anderem Chemieunternehmen, Versorgungsunternehmen, Stahlproduzenten und Agrarhändler warnen vor höheren Kosten. Ladungen müssen auf mehrere Schiffe verteilt werden, um zu verhindern, dass sie in seichtem Wasser auf Grund laufen. Jede zusätzliche Schiffsfahrt bedeutet zusätzliche Kosten, die sich letztendlich in der gesamten Lieferkette niederschlagen.
Vor allem Industriegebiete entlang des Oberrheins sind stark von der Anlieferung auf dem Wasserweg abhängig. Rohstoffe wie Kohle, Erze, Chemikalien und Getreide lassen sich nur schwer in großen Mengen auf der Straße transportieren. Ein Binnenschiff zu ersetzen, entspricht schnell dem Einsatz von Dutzenden Lkw.
Für Unternehmen, die Waren über Rotterdam importieren und ins deutsche Hinterland weiterbefördern, ist es daher wichtig, Transportkosten und Lieferzeiten neu zu überprüfen. Möchten Sie mehr über die Möglichkeiten erfahren? Besuchen Sie die Seite Import.
Die Deutsche Bahn setzt zusätzliche Güterzüge ein
Die Deutsche Bahn versucht, die durch die niedrigen Wasserstände auf dem Rhein verursachten Transportprobleme zu entschärfen, indem sie mehr Gütertransporte auf der Schiene anbietet. Die Tochtergesellschaft DB Cargo könnte kurzfristig 400 zusätzliche Güterwagen mobilisieren, so Vorstandsvorsitzender Bernhard Osburg bei einer Sitzung im deutschen Verkehrsministerium.
Laut der Nachrichtenagentur DPA erklärte der Vorstandsvorsitzende bei dieser Sitzung, dass ein einziger Güterzug dank der kürzeren Transportzeit bis zu zehn Binnenschiffe ersetzen könne. Die Schiene könne die Binnenschifffahrt natürlich nicht vollständig ersetzen, biete aber für bestimmte Güterströme eine ernstzunehmende Alternative.
Für Verlader lohnt es sich, bereits jetzt den Transport per Schiene oder eine intelligente intermodale Kombination aus Wasser, Schiene und Straße in Betracht zu ziehen. So bleibt die Fracht in Bewegung, auch wenn der Rhein einmal nicht mitspielt.
Sonntagsfahrverbot für Lkw aufgehoben
Deutschland bemüht sich schon seit längerer Zeit um Lösungen, um die Wasserstraßen zu entlasten. Mehrere deutsche Bundesländer haben kürzlich das Sonntagsfahrverbot für Lkw aufgehoben, um mehr Transport auf der Straße zu ermöglichen.
Dadurch entsteht zusätzliche Flexibilität für zeitkritische Sendungen. Container und Stückgut lassen sich relativ gut auf die Straße verlagern, auch wenn die plötzliche zusätzliche Nachfrage dort ebenfalls zu Kapazitätsengpässen und Preissteigerungen führt.
Für Sendungen, die nicht warten können, ist der Straßentransport derzeit oft die schnellste Alternative in Richtung Süddeutschland. Eine rechtzeitige Buchung ist jedoch wichtig, da die Nachfrage nach Lkw aufgrund des Niedrigwassers im Rhein deutlich steigt.
Auswirkungen auf Rotterdam und das Hinterland
Auch in den Niederlanden sind die Folgen des niedrigen Wasserstands am Rhein spürbar. Binnenschiffe von und zum Rotterdamer Hafen fahren mit deutlich geringerer Auslastung, wodurch für dasselbe Volumen mehr Schiffsbewegungen erforderlich sind. Der Containertransport zu Terminals im Hinterland dauert länger und wird teurer.
Für Importeure bedeutet dies längere Durchlaufzeiten und möglicherweise zusätzliche Kosten bei der Containerabfertigung. Wer seine Lagerbestände knapp geplant hat, tut gut daran, Puffer einzuplanen und Lieferpläne zu überarbeiten, solange der Niedrigwasserstand anhält.
Die Digitalisierung hilft dabei. Echtzeit-Einblick in Wasserstände, Transitzeiten und verfügbare Kapazitäten macht den Unterschied zwischen Reagieren und Vorausplanen aus. Unternehmen, die ihre Logistikdaten und ihre Online-Präsenz clever einsetzen, beispielsweise mit KI-Lösungen und Webentwicklung von Spezialisten wie HEF Digital, können schneller reagieren, wenn sich der Markt verändert.
Was können Importeure und Verlader jetzt tun?
Solange der Rhein so niedrig steht, ändert sich die Situation von Tag zu Tag. Regen im Einzugsgebiet könnte Abhilfe schaffen, doch kurzfristig ist davon kaum etwas zu erwarten. Unternehmen tun daher gut daran, nicht abzuwarten, sondern ihren Transportmix aktiv zu überdenken.
Denken Sie beispielsweise daran, die Ladung auf mehrere Verkehrsträger zu verteilen, kritische Güter früher zu bestellen und in Angeboten besonders auf Niedrigwasserzuschläge zu achten. Auch klare Vereinbarungen über Lieferbedingungen helfen, Überraschungen zu vermeiden. Lesen Sie mehr über Incoterms.
TOP verfolgt die Entwicklungen rund um den Rhein, die Wasserstände, Zuschläge und alternative Routen sehr genau. Unsere Spezialisten beraten Sie gerne bei der besten Kombination aus Binnenschifffahrt, Schiene und Straßentransport für Ihre Sendungen. Möchten Sie wissen, was das für Ihren Transport bedeutet? Fordern Sie ein Angebot an.
…ein Binnenschiff auf dem Rhein genauso viel Fracht transportieren kann wie Dutzende Lkw? Deshalb wirkt sich selbst ein geringer Rückgang des Wasserstands bei Kaub unmittelbar auf Transportkosten, Kapazitäten und Lieferzeiten in ganz Nordwesteuropa aus.
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