Schiphol kürzt die Ausgaben für die Bodenabfertigung drastisch

Geschrieben von Hetty Hof van Munster | Jul 3, 2026 9:50:49 AM

Schiphol halbiert die Anzahl der Bodenabfertiger auf dem Flughafenvorfeld. Dnata, KLM und Viggo werden in den kommenden sieben Jahren für die Gepäck- und Flugzeugabfertigung am Flughafen verantwortlich sein.

Menzies/WFS, Aviapartner und Swissport gehen leer aus. Die Entscheidung folgt auf ein gründliches Auswahlverfahren und auf einen Beschluss des Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, die Anzahl der Bodenabfertiger am Flughafen Schiphol von sechs auf drei Anbieter zu reduzieren.

Schiphol entscheidet sich für drei Anbieter

Die neue Marktsituation am Flughafen Schiphol soll für mehr Kontrolle über Qualität, Sicherheit und Arbeitsbedingungen sorgen. Mit sechs aktiven Bodenabfertigern herrschte laut Ministerium starker Preiswettbewerb, geringe Rentabilität, hohe Arbeitsbelastung und eingeschränkte Qualität.

Die Gewerkschaft FNV sprach bereits zuvor von einem „Wettlauf nach unten“ bei der Gepäckabfertigung am Flughafen Schiphol. Durch die Halbierung der Anzahl der Anbieter soll die Branche mehr Spielraum erhalten, um in Mitarbeiter, Prozesse und Sicherheit zu investieren. Dies geht jedoch mit höheren Tarifen im Abfertigungssektor einher.

Für Fluggesellschaften bedeutet die neue Struktur, dass sie künftig nur noch Verträge mit den drei ausgewählten Bodenabfertigungsdienstleistern abschließen können. Schiphol geht davon aus, dass die Fluggesellschaften Ende dieses Jahres neue Vereinbarungen mit Dnata, KLM und Viggo treffen werden. Weitere Informationen zur internationalen Luftfrachtlogistik finden Sie auf der Seite Luftfracht.

Keine Arbeitsplatzverluste durch die neue Struktur

Laut Schiphol gehen durch die Ausschreibung keine Arbeitsplätze am Flughafen verloren. Mitarbeiter der Unternehmen, die ihre Position verlieren, erhalten während einer Übergangsphase die Möglichkeit, bei den drei ausgewählten Bodenabfertigungsdienstleistern eine Anstellung zu finden.

Damit versucht der Flughafen zu verhindern, dass Wissen und Erfahrung verloren gehen. Das ist wichtig, da die Bodenabfertigung stark von Fachkräften abhängt, die mit Sicherheitsverfahren, Flugzeugtypen, Vorfeldvorschriften und der täglichen Dynamik am Flughafen vertraut sind.

Der Übergang zur neuen Struktur soll irgendwann im zweiten Quartal des nächsten Jahres beginnen. Ab diesem Zeitpunkt wird sich zeigen, wie reibungslos Personal, Verträge, Prozesse und betriebliche Vereinbarungen übertragen werden können.

Frachtsektor bleibt von der Maßnahme ausgenommen

Die Maßnahme gilt nicht direkt für den Frachtsektor. Dort bieten neben KLM und Dnata auch Swissport, WFS/Menzies und DHL weiterhin Abfertigungsdienste an. Dennoch beobachtet die Luftfrachtbranche die Veränderungen auf dem Flughafenvorfeld mit Sorge.

Der Interessenverband ACN warnt vor vorübergehenden Störungen durch den Personalwechsel und die Einführung neuer Protokolle. Vor allem im Sommer 2027 könnte der Betrieb unter Druck geraten. Schließlich wird der gesamte Vorfeldbetrieb umgestaltet.

Für die Luftfracht ist Vorhersehbarkeit entscheidend. Verzögerungen auf dem Vorfeld können sich auf Cut-off-Zeiten, Anschlüsse, die Lkw-Planung, die Lagerkapazität und den Dokumentenfluss auswirken. Gerade bei zeitkritischen Sendungen kann eine vorübergehende Störung schnell Folgen für die gesamte Logistikkette haben.

Schiphol will Qualität und Sicherheit steigern

Schiphol will mit dem neuen Modell mehr Einfluss auf die Qualität der Abfertigung gewinnen. Weniger Anbieter sollen zu einer besseren Zusammenarbeit, übersichtlicheren Prozessen und klareren Zuständigkeiten auf dem Vorfeld führen.

Der Flughafen erwartet, dass die Bodenabfertiger mehr in Ausbildung, Sicherheit, nachhaltige Ausrüstung und bessere Arbeitsbedingungen investieren können. Dadurch soll die Branche weniger anfällig für Personalmangel und betrieblichen Druck werden.

Für den Frachtsektor bleibt es jedoch wichtig, den Übergang genau zu beobachten. Die Luftfracht ist eng mit dem Passagierbetrieb, der Vorfeldkapazität und engen Zeitfenstern verflochten. Wenn sich Prozesse ändern, müssen Spediteure, Fluggesellschaften und Abfertiger schnell reagieren können.

Auswirkungen auf die Luftfrachtplanung

Für Unternehmen, die über Schiphol importieren oder exportieren, ist die bevorstehende Übergangsphase von großer Bedeutung. Neue Protokolle, Personalwechsel und vertragliche Vereinbarungen können sich auf Durchlaufzeiten und die Planung auswirken.

Dies gilt insbesondere für Sendungen mit kurzen Durchlaufzeiten, hohem Wert, temperaturempfindlichen Gütern oder engen Lieferzeitfenstern. Bei der Luftfracht gibt es wenig Spielraum für Verzögerungen. Schon eine kleine Störung auf dem Vorfeld kann zu angepassten Transportwegen, verspäteter Auslieferung oder zusätzlichem Kommunikationsaufwand mit Kunden führen.

TOP verfolgt die Entwicklungen am Flughafen Schiphol genau. Für Kunden ist es weiterhin wichtig, Luftfrachtsendungen rechtzeitig abzustimmen, vollständige Unterlagen einzureichen und mögliche Spitzenzeiten während der Übergangsphase zu berücksichtigen. Lesen Sie auch mehr über Zoll, Export und Import.

Wussten Sie schon, dass…

…die Bodenabfertigung an einem Flughafen weit mehr umfasst als das Be- und Entladen von Gepäck? Denken Sie auch an Pushback, Vorfeldkoordination, Ausrüstung, Sicherheitskontrollen und eine enge Abstimmung mit den Fluggesellschaften.

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