Große Risiken für die Seefracht bleiben aus – Renovierung von Brücken
TOP MAGAZINE · Seefracht
Die niederländischen Seefrachtkorridore werden zunehmend durch den überfälligen Ersatz von Brücken, Viadukten und Schleusen beeinträchtigt. Aufgrund fehlender Investitionen nehmen Umfahrungsrouten, Verzögerungen und zusätzliche Kosten stark zu, warnt die EIB.
Gesellschaftliche Kosten durch aufgeschobene Investitionen
Nach Angaben des Wirtschaftsinstituts für das Bauwesen (EIB) wird die Verschiebung der Sanierung und des Ersatzes von Brücken, Viadukten und Schleusen in den kommenden Jahren zu steigenden gesellschaftlichen Kosten führen. Allein für Bundesstraßen und -wasserstraßen sind bis 2030 Investitionen in Höhe von rund 13 Milliarden Euro erforderlich; ein Großteil davon steht noch nicht zur Verfügung.
Der Mangel an rechtzeitigen Investitionen führt zu zunehmenden Nutzungsbeschränkungen, Umleitungen und Staus. Das EIB schätzt, dass aufgeschobene Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen an der Infrastruktur zwischen 2026 und 2035 zu gesellschaftlichen Kosten von über 20 Milliarden Euro führen können, wobei weitere 2,5 Milliarden Euro durch unzureichende regelmäßige Instandhaltung hinzukommen.
Brücken und Schleusen: Engpässe für Seefrachtkorridore
Vor allem die Betonbrücken und -viadukte stellen mittelfristig eine große Herausforderung dar. Nur bei einem Teil davon können vorübergehende Maßnahmen die Lebensdauer verlängern, doch der strukturelle Ersatz verläuft zu langsam. Von 30 untersuchten Betonbrücken und -viadukten kann derzeit etwa ein Viertel rechtzeitig ersetzt werden.
Bei längerem Ausfall von Schleusen – wie beispielsweise an der Zuid-Willemsvaart, Schleuse Weurt, die Prinses-Margriet-Schleuse und die Krammer-Schleusen – können die Umfahrungsstrecken für die Binnenschifffahrt bis zu 170 Kilometer betragen, was eine zusätzliche Fahrzeit von 10 bis 17 Stunden pro Schiff bedeutet. Ein Ausfall von sechs Monaten verursacht pro Jahr bereits Kosten in Höhe von rund 90 Millionen Euro; bei fünf Jahren belaufen sich diese pro Schleuse auf über 100 Millionen Euro.
Korridore mit den größten Auswirkungen auf die Seefracht
Die EIB identifiziert sieben Verkehrskorridore, bei denen bei ausbleibenden Investitionen in Bau und Instandhaltung der größte wirtschaftliche Schaden entsteht. Amsterdam/Rotterdam–Antwerpen steht dabei mit gesellschaftlichen Kosten in Höhe von 5,5 Milliarden Euro an erster Stelle, unter anderem aufgrund des drohenden Ausfalls der Van-Brienenoord-Brücke.
Es folgen der Korridor Almere–Utrecht–Breda mit 4 Milliarden Euro und Rotterdam–Zevenaar mit 3 Milliarden Euro. Probleme in solchen Korridoren führen nicht selten zu einer Anhäufung von Risiken: Staus, zusätzliche Transportkosten und logistische Unsicherheiten für die See- und Binnenschifffahrt treten hier besonders deutlich zutage.
Was bedeutet das für Ihre Sendung?
Einschätzung von TOP auf der Grundlage der oben genannten Entwicklung.
Planung
Verlader müssen bei strukturellen Engpässen auf Hauptwasserstraßen mit längeren Durchlaufzeiten und Unsicherheiten hinsichtlich der Routen rechnen.
Kosten
Umleitungen und Wartezeiten führen zu steigenden Betriebskosten für Seefracht, von denen ein Teil unweigerlich auf die Kunden abgewälzt wird.
Schwerpunkt
Proaktive Kommunikation und Szenarien für alternative Transportwege sind erforderlich, insbesondere an risikobehafteten Knotenpunkten wie der Van-Brienenoord-Brücke und großen Schleusen.
Quellen
Nieuwsblad Transport – EIB warnt: Vor allem Betonbrücken und -viadukte sind ein großes Problem
Bild: TOP-Archiv, zur Veranschaulichung.
