Streik legt am Freitag einen Teil des Rotterdamer Hafens lahm
Hunderte von Hafenarbeitern in Rotterdam, Amsterdam und Zeeland legen am Freitag, dem 4. September, die Arbeit nieder. Das berichtet „Nieuwsblad Transport“ (NT). Der Streik der Gewerkschaft FNV Havens wird voraussichtlich einen Großteil des Rotterdamer Hafens lahmlegen, was unmittelbar zu Verzögerungen bei Containern und Sendungen führen wird.
Laut der früheren Ankündigung von FNV Havens werden am Streiktag zwischen 11:15 und 19:00 Uhr in einem Großteil des Rotterdamer Hafens keine Schiffe abgefertigt. Es geht um politische Forderungen: Die Gewerkschaft will, dass die Regierung die Kürzungen bei der Arbeitslosenunterstützung (WW) und der Erwerbsunfähigkeitsrente (WIA) zurücknimmt, wie NT schreibt. Neben Rotterdam beteiligen sich auch Mitglieder in den Häfen von Amsterdam und Zeeland.
Keine Schiffe werden zwischen 11:15 und 19:00 Uhr abgefertigt
Die Arbeitsniederlegung dauert offiziell weniger als acht Stunden. Dennoch sind die betrieblichen Auswirkungen größer, als dieser Zeitraum vermuten lässt. Be- und Entladen, Verzurren, Schleppen und die Kontrolle der Ladungen kommen während der Aktion bei den teilnehmenden Unternehmen zum Erliegen.
Verzögerungen im Containerlinienverkehr wirken sich zudem oft tagelang aus. Schiffe warten auf einen Liegeplatz, Terminals geraten in Rückstände und die Planung des Hinterlandtransports per Lkw, Bahn und Binnenschiff verschiebt sich entsprechend.
Welche Häfen und Unternehmen sind betroffen?
FNV Havens hat in Rotterdam unter anderem Mitglieder bei den Terminalbetrieben ECT und APMTII sowie bei den Laschunternehmen ILS und Matrans. Gerade diese Unternehmen spielen eine Schlüsselrolle im Containerumschlag. Die Lasthalter sichern die Container an Bord; ohne ihre Arbeit können Seeschiffe nicht sicher auslaufen.
Außerhalb von Rotterdam ist die Mitgliederbasis kleiner, aber auch dort wird gestreikt. In Amsterdam sind unter anderem das HES Bulk Terminal und das Schleppunternehmen Svitzer betroffen, in Zeeland das Vopak-Tankterminal in Vlissingen sowie Verbrugge Terminals in Vlissingen und Terneuzen. Damit betrifft die Aktion nicht nur Container, sondern auch Schüttgut, Tanklagerung und Stückgut.
Warum streikt FNV Havens?
Der Streik richtet sich nicht gegen die Arbeitgeber in den Häfen, sondern gegen die Regierung. Laut NT fordert die FNV Havens, dass die Kürzungen bei der Arbeitslosenunterstützung (WW) und der Erwerbsunfähigkeitsregelung (WIA) vom Tisch genommen werden. Es ist die x-te Aktion in einer Reihe: Bereits Anfang des Jahres kündigten Hafenmitarbeiter an, mindestens fünf Tage lang gegen die Pläne der Regierung im Bereich der sozialen Sicherheit streiken zu wollen.
Arbeitgeber: Warum nicht auf dem Malieveld?
Laut NT fragen sich die Hafenarbeitgeber, warum die Streikenden ihren Unmut nicht in Den Haag, auf dem Malieveld, zum Ausdruck bringen, anstatt den Hafen lahmzulegen. Die Gewerkschaft lässt sich davon nach eigenen Angaben nicht beeindrucken. Für die Arbeitgeber ist der Zeitpunkt besonders bitter: Die Aktion trifft Unternehmen, die selbst keine Partei in dem Konflikt zwischen Gewerkschaft und Regierung sind.
Auch ein Bahnstreik am 9. September droht
Die Hafenaktion steht nicht für sich allein. FNV Spoor, zu der auch Mitarbeiter von DB Cargo gehören, und FNV Streek- en Stadsvervoer haben bereits angekündigt, am 9. September die Arbeit niederzulegen. Container, die durch den Hafenstreik verspätet sind, könnten daher einige Tage später erneut durch Beeinträchtigungen im Hinterlandtransport per Bahn behindert werden. Anfang September drohen somit an mehreren Stellen der Lieferkette gleichzeitig Störungen.
Auswirkungen für Importeure und Exporteure
Haben Sie Sendungen, die um den Freitag, den 4. September, über Rotterdam, Amsterdam oder die Häfen in Zeeland laufen? Dann rechnen Sie bitte mit Verzögerungen. Schiffe können später anlegen oder auslaufen, die Cut-off-Zeiten für Exportcontainer können sich verschieben und Importcontainer werden möglicherweise später freigegeben. Mehr über diesen Prozess erfahren Sie auf der Seite Containerabfertigung.
Beachten Sie außerdem Demurrage und Detention: Steht ein Container länger auf dem Terminal oder wird er später abgeholt, können zusätzliche Kosten entstehen. Prüfen Sie auch, wer gemäß den vereinbarten Lieferbedingungen das Risiko einer Verzögerung trägt; eine Übersicht finden Sie auf der Seite Incoterms.
Bei zeitkritischen Sendungen kann es sich lohnen, Cut-offs vorzuverlegen, zusätzliche Zeitpuffer im Vor- und Nachlauf einzuplanen oder vorübergehend auf Eilsendungen per Luftfracht auszuweichen. TOP verfolgt den Streik aufmerksam und informiert Kunden, sobald mehr über die Auswirkungen auf Terminals und Fahrpläne bekannt ist. Haben Sie Bedenken bezüglich einer laufenden Sendung? Kontaktieren Sie uns rechtzeitig, dann suchen wir gemeinsam nach der besten Lösung.
…Seeschiffe ohne Lascher nicht sicher auslaufen können? Lascher sichern Container an Bord. Während des Lascher-Streiks im letzten Jahr lag deshalb ein großer Teil des Rotterdamer Hafens lahm, obwohl die Berufsgruppe selbst relativ klein ist.
Verwandte Nachrichten
Hafenstreik am 4. September
FNV Havens kündigt den Streiktag an: Zwischen 11:15 und 19:00 Uhr werden keine Schiffe abgefertigt.
Weiterlesen
Fünf Streiktage stehen bevor
Hafenmitarbeiter kündigen mindestens fünf Streiktage gegen die Pläne der Regierung zur Sozialversicherung an.
Weiterlesen
Bei ECT drohen Arbeitskampfmaßnahmen
Spediteure erwägen erneut Arbeitskampfmaßnahmen wegen zunehmender Wartezeiten bei ECT in Rotterdam.
Weiterlesen
Transportstreik in Pakistan
Pakistans Exporte sind durch einen landesweiten Transportstreik gefährdet; Container stehen in den Häfen fest.
Weiterlesen