Viele kritische Rohstoffe gelangen über Namibia nach Rotterdam
Viele kritische Rohstoffe könnten künftig über Namibia nach Rotterdam gelangen. Die Hafenbehörde Rotterdam beteiligt sich an den Plänen für einen Terminal in Lüderitz, von wo aus unter anderem Kupfer und Manganerz nach Europa verschifft werden sollen.
Die Pläne fügen sich in eine umfassendere europäische Strategie ein, die darauf abzielt, bei strategischen Rohstoffen weniger abhängig von China zu werden. Gleichzeitig bleibt das Projekt heikel, da Namibia mit Armut, Arbeitslosigkeit und einer belasteten kolonialen Vergangenheit zu kämpfen hat.
Viele kritische Rohstoffe für die Energiewende benötigt
Kritische Rohstoffe sind für die Energiewende unverzichtbar. Sie werden in Batterien, Elektromotoren, Windkraftanlagen, Kabeln, Magneten und anderen Technologien verwendet, die für eine nachhaltigere Industrie und Mobilität erforderlich sind.
Für Europa ist die Versorgung mit diesen Materialien von strategischer Bedeutung. China dominiert derzeit einen Großteil der Verarbeitung verschiedener kritischer Rohstoffe. Diese Abhängigkeit macht Europa verwundbar, insbesondere wenn Rohstoffe als geopolitisches Druckmittel eingesetzt werden.
Deshalb sucht Europa gezielt nach neuen Routen, neuen Verarbeitungsstandorten und zuverlässigen Partnern außerhalb Chinas. Namibia kann dabei eine Rolle spielen, unter anderem durch den Export von Mangan, Kupfer und möglicherweise anderen strategischen Rohstoffen. Weitere Informationen zu internationalen Güterströmen finden Sie auf der Seite Seefracht.
Hafenbetrieb Rotterdam arbeitet an einem Terminal in Lüderitz
Das Engagement Rotterdams in Namibia begann vor etwa sechs Jahren. Damals nahm die Rotterdamer Hafenbehörde Kontakt zur namibischen Regierung auf, die Investoren für die Produktion von grünem Wasserstoff suchte.
Diese Wasserstoffpläne sind noch nicht wie erhofft in Gang gekommen. Die erforderlichen Milliardeninvestitionen bleiben vorerst aus. Investoren sehen noch wenig konkrete Nachfrage nach grünem Wasserstoff, während der Mangel an Investitionen den Preis gerade hoch hält.
Da sich die Wasserstoffpläne verzögern, rückt ein zweiter Ansatz stärker in den Vordergrund: ein Terminal für kritische Rohstoffe. Lüderitz soll dabei zu einem Bindeglied zwischen dem südlichen Afrika und Nordwesteuropa werden, mit Rotterdam als wichtigem Zugangstor zum europäischen Markt.
Mangan und Kupfer nach Europa
Ein wichtiger Bestandteil des Plans ist der Export von Manganerz. Mangan kann in der Batterieindustrie teilweise als Alternative zu Kobalt dienen. Das macht das Material für europäische Hersteller interessant, die ihre Lieferketten diversifizieren wollen.
Etwa ein Drittel der weltweiten Manganproduktion stammt aus Minen in Südafrika. Ein großer Teil davon gelangt per Bahn und über Häfen nach China, wo der überwiegende Teil der Verarbeitung stattfindet. Aufgrund von Engpässen in südafrikanischen Häfen und im Schienenverkehr wird mittlerweile ein Teil des Manganerzes über Lüderitz umgeleitet.
Europa möchte einen Teil dieses Güterstroms anziehen. Mit Hilfe europäischer Fördermittel hat die Hafenbehörde Rotterdam daher einen Terminalentwurf erstellt, um den Export von Mangan in größerem Umfang zu ermöglichen. Auch Kupfer spielt in den Plänen eine wichtige Rolle. Aus der Region um Lüderitz könnten nach Angaben der Beteiligten Millionen Tonnen Kupfer nach Europa gelangen.
Erste Schiffe möglicherweise um 2030
Das angestrebte Modell sieht vor, dass die Erze vor Ort in Lüderitz verarbeitet werden, vorzugsweise mit Ökostrom. Anschließend sollen die Halbfertigprodukte über das neue Terminal nach Europa verschifft werden. Rotterdam könnte dabei eine zentrale Rolle als Lager-, Umschlag- und Distributionsknotenpunkt spielen.
Laut Martijn Coopman, der im Auftrag der Rotterdamer Hafenbehörde bereits seit Jahren an den Plänen in Namibia arbeitet, könnten die ersten Schiffe um 2030 oder 2031 von Lüderitz in Richtung Rotterdam auslaufen. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass die Rotterdamer Hafenbehörde mit der Europäischen Union über die Ausweitung der Lagerung kritischer Materialien im Hafen verhandelt.
Für die Logistikbranche ist dies von Bedeutung. Neue Rohstoffströme erfordern zuverlässige Seefrachtverbindungen, Lagerkapazitäten, Zollabfertigung, Dokumentation und Hinterlandtransport. TOP unterstützt Kunden bei der internationalen Logistik unter anderem durch Import, Export und Zollabfertigung.
Grüner Wasserstoff bleibt vorerst ungewiss
Neben kritischen Rohstoffen bleibt grüner Wasserstoff Teil der langfristigen Pläne in Namibia. Die Wasserstoffanlage soll in einem wüstenähnlichen Gebiet südlich von Lüderitz entstehen. Durch die Kombination aus Sonne, Wind und Platz gilt Namibia als vielversprechender Standort für die groß angelegte Produktion.
Die Praxis erweist sich jedoch als schwierig. Die erforderlichen Investitionen sind hoch, während die Nachfrage nach grünem Wasserstoff noch nicht ausreichend gesichert ist. Dadurch entsteht eine Henne-Ei-Situation: Ohne Nachfrage kommen Investitionen nur schwer in Gang, aber ohne Investitionen bleibt grüner Wasserstoff teuer.
Coopman geht davon aus, dass die europäische Nachfrage nach Wasserstoff ab 2032 stark ansteigen könnte. Bis dahin soll auch der Delta-Rhein-Korridor fertiggestellt sein, das Wasserstoffnetz von Rotterdam nach Deutschland. Namibischer Wasserstoff könnte dann über Rotterdam an die deutsche Industrie geliefert werden.
Kritik an den Plänen in Namibia
Es gibt auch Kritik an den Plänen rund um Lüderitz. Follow the Money bezeichnete das verzögerte Wasserstoffprojekt zuvor als kostspieligen Traum, von dem ungewiss ist, ob er jemals Wirklichkeit wird. Investoren bleiben aus, und es werden Milliarden benötigt, um Produktion und Export in Gang zu bringen.
Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der Natur, lokaler Interessen und der Frage, wer letztendlich davon profitiert. Namibia hat eine schwierige Geschichte. In der Kolonialzeit wurde das Land von deutschen Kolonisten besetzt. Auch heute sind Armut und Arbeitslosigkeit groß, vor allem unter Jugendlichen.
Nach Angaben der namibischen Regierung können Wasserstoffprojekte, Hafenausbau und Investitionen hingegen für Steuereinnahmen, Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze sorgen. Coopman betont, dass das Projekt eine Win-Win-Situation sein muss und dass auch die lokale Infrastruktur, wie Kanalisation und Wasseraufbereitung, berücksichtigt wird.
Koloniale Vergangenheit macht das Projekt zu einem heiklen Thema
Die Sensibilität rund um Lüderitz wird durch die Vergangenheit von Shark Island noch verstärkt. Auf dieser Halbinsel vor der Küste von Lüderitz befand sich in der Kolonialzeit ein Konzentrationslager. Einige Kritiker stellen einen Zusammenhang zwischen dem Wasserstoffprojekt und dieser Insel her.
Laut Coopman ist dieser Zusammenhang faktisch falsch, da der Wasserstoffhafen an anderer Stelle entwickelt wird. Die Diskussion hat jedoch dazu geführt, dass Pläne für ein Museum und eine Gedenkstätte auf Shark Island bestehen. Das unterstreicht, wie wichtig sorgfältige Kommunikation und lokale Einbindung bei internationalen Infrastrukturprojekten sind.
Für europäische Akteure ist dies ein wichtiger Schwerpunkt. Projekte in den Bereichen Rohstoffe, Energie und Häfen können nur dann nachhaltig sein, wenn wirtschaftliche Interessen mit lokaler Entwicklung, Transparenz und Respekt vor historischen Sensibilitäten verbunden werden.
Rotterdam will eine Rolle in neuen Rohstoffketten spielen
Für Rotterdam fügt sich das Namibia-Projekt in einen umfassenderen Wandel ein. Der Hafen will nicht nur weiterhin eine wichtige Rolle für den Transport fossiler Brennstoffe, Container und Massengüter spielen, sondern auch eine zentrale Rolle in neuen Ketten rund um Energie, Wasserstoff und kritische Rohstoffe übernehmen.
Wenn Europa mehr kritische Rohstoffe aus Namibia bezieht, entsteht ein neuer Logistikkorridor zwischen dem südlichen Afrika und Nordwesteuropa. Dabei sind Seefracht, Umschlag, Lagerung, Zollabfertigung, Qualitätskontrolle und Hinterlandanbindungen allesamt Teil derselben Kette.
Für Unternehmen, die in den Bereichen Rohstoffe, Technik, Batterien oder industrielle Produktion tätig sind, ist es daher wichtig, diese Entwicklungen zu verfolgen. Neue Routen können Chancen bieten, erfordern aber auch eine gute Vorbereitung, zuverlässige Partner und Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen. Lesen Sie auch mehr über multimodalen Transport, Containerabfertigung und Nachhaltigkeit.
…kritische Rohstoffe wie Mangan, Kupfer und Neodym für Batterien, Elektromotoren und Magnete wichtig sind? Genau aus diesem Grund möchte Europa die Beschaffung und Verarbeitung dieser Materialien besser streuen.
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