Containerpreise steigen aufgrund knapper Kapazitäten
Die Containerraten sind die zweite Woche in Folge gestiegen. Der World Container Index von Drewry stieg erneut an, da höhere Raten auf den transpazifischen Routen die Rückgänge auf den Asien-Europa-Strecken mehr als ausglichen. Reedereien steuern ihre Kapazitäten in einem von Störungen geprägten Markt aktiv.
Der WCI-Benchmark von Drewry stieg um 1 Prozent pro 40-Fuß-Container. Gleichzeitig warnt der Frachtraten-Spezialist Xeneta, dass sich die seit fast einem halben Jahr andauernden Störungen im Nahen Osten mittlerweile auch deutlich auf langfristige Verträge auswirken. Für Importeure und Exporteure bedeutet dies, dass die Containerfrachtraten in den kommenden Monaten weiterhin ein wichtiger Schwerpunkt bleiben werden.
Containerfrachtraten auf transpazifischen Routen schießen in die Höhe
Der Anstieg des Index wurde vor allem durch die Tarife in Richtung der Vereinigten Staaten getrieben. Der Tarif von Shanghai nach New York stieg um 10 Prozent pro 40-Fuß-Container. Auf der Strecke Shanghai–Los Angeles stieg der Tarif um 6 Prozent pro Container.
Damit gibt der transpazifische Markt den Ton in der weltweiten Containerschifffahrt an. Während viele Verlader zuvor mit einer Abkühlung gerechnet hatten, steigen die Frachtraten in Richtung Nordamerika weiter an. Die eigentliche Ursache liegt weniger in einer extrem starken Nachfrage als vielmehr in der bewussten Kapazitätspolitik der Reedereien.
Weitere Hintergrundinformationen zu aktuellen Marktentwicklungen und Frachtraten finden Sie auf der Seite Seefracht.
Reedereien schränken die Kapazität durch „Blank Sailings“ ein
Reedereien halten den Markt bewusst angespannt, indem sie Abfahrten streichen. In jeder der letzten beiden Wochen wurden zehn Abfahrten gestrichen, und für die kommende Woche sind erneut sieben „Blank Sailings“ geplant. Damit steuern die Reedereien aktiv das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.
Drewry geht davon aus, dass die knapper gewordene Kapazität die Containerraten in der kommenden Woche weniger volatil halten wird. Für Verlader bedeutet dies gleichzeitig, dass die Wahrscheinlichkeit von verspäteten Ladungen und volleren Schiffen steigt. Wer Laderaum benötigt, tut gut daran, frühzeitig zu buchen.
Leerfahrten haben sich zu einem bewährten Instrument entwickelt. Anstatt die Frachtraten bei nachlassender Nachfrage zu senken, ziehen die Reedereien Kapazitäten aus dem Markt. Das hält die Preise künstlich auf einem hohen Niveau und stärkt ihre Verhandlungsposition.
Auf den Asien-Europa-Routen ist hingegen ein Rückgang zu verzeichnen
Auf den Routen zwischen Asien und Europa war das Bild schwächer. Der Tarif von Shanghai nach Genua sank um 8 Prozent pro 40-Fuß-Container. Auf der Strecke Shanghai–Rotterdam ging der Tarif um 5 Prozent pro Container zurück.
Die Reedereien haben für die Routen von Asien ins Mittelmeer ab dem 15. August neue FAK-Tarife angekündigt. Laut Drewry ist jedoch fraglich, ob diese Niveaus angesichts der nachlassenden Nachfrage haltbar sind.
Für niederländische Importeure ist der Rückgang auf der Route nach Rotterdam auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Dennoch bleiben die Frachtraten im historischen Vergleich hoch, und angekündigte Erhöhungen könnten das Bild schnell wieder umkehren. Lesen Sie auch mehr über Seefracht und Import.
Störungen halten den Markt im Griff
Der breitere Ost-West-Markt bleibt durch eine Häufung von Störungen aus dem Gleichgewicht geraten. Sicherheitsbedenken rund um den Suezkanal und die Straße von Hormus zwingen Reedereien zu längeren Seewegen. Zudem gelten nach wie vor Einschränkungen im Panamakanal.
Auch näher am Ladegut verläuft nicht alles reibungslos. Asiatische Häfen kämpfen nach dem Durchzug des Taifuns Dolphin mit Überlastung, während der Hinterlandtransport in Europa durch rekordtiefe Wasserstände auf dem Rhein behindert wird. Jedes Glied in der Kette spürt somit den Druck.
Für Verlader bedeutet dies, dass Transitzeiten weniger vorhersehbar sind und Zuschläge schneller eingeführt werden können. Eine gute Planung und rechtzeitige Abstimmung mit dem Spediteur sind daher wichtiger denn je.
Langfristige Verträge steigen aufgrund der Krise im Nahen Osten stark an
Laut dem Tarif-Benchmarker Xeneta wirken sich die seit fast sechs Monaten andauernden Störungen im Nahen Osten mittlerweile auch auf den Langfristmarkt aus. Die Auswirkungen der Kriegssituation schlagen sich laut Chefanalyst Peter Sand immer deutlicher in den Vertragstarifen nieder.
Seit Ende Februar sind die Langfristtarife vom Fernen Osten zur amerikanischen West- und Ostküste um 41 bzw. 40 Prozent gestiegen. Auch die Vertragstarife nach Nordeuropa liegen um 41 Prozent höher, während Verträge in Richtung Mittelmeer um 17 Prozent gestiegen sind.
Diese Steigerungen bleiben übrigens immer noch weit hinter dem Spotmarkt zurück. Xeneta berechnet, dass die Spotraten vom Fernen Osten zur amerikanischen Westküste 271 Prozent über dem Vorkrisenniveau liegen. In Richtung Ostküste sind es sogar 287 Prozent.
Spotmarkt verschafft Reedereien starke Verhandlungsposition
Die wachsende Kluft zwischen Spot- und Vertragstarifen stärkt die Position der Reedereien am Verhandlungstisch. Auf der Route Fernost–US-Westküste liegt der Spotpreis laut Xeneta mittlerweile über dem Langfristtarif.
Sand spricht von den langfristigen finanziellen Folgen von Störungen in der Lieferkette. Er warnt Verlader davor, sich in einem steigenden Markt an Einjahresverträge zu binden. Sein Rat: Entscheiden Sie sich für kürzere Vereinbarungen, die Kapazitäten sichern, aber Spielraum lassen, um die Tarife anzupassen, sobald sich der Spotmarkt belebt.
Für Unternehmen, die ihre Logistik datengestützt steuern möchten, wird der Einblick in die Tarifentwicklung und Marktdaten immer wertvoller. Wer darüber hinaus online besser auffindbar sein oder Prozesse mit intelligenten digitalen Lösungen, KI und Marketing stärken möchte, ist bei HEF Digital an der richtigen Adresse.
Auswirkungen für Importeure und Exporteure
Für Importeure und Exporteure zeigen diese Zahlen, dass Containerraten die Selbstkosten erheblich beeinflussen können. Der transpazifische Markt legt zu, Europa kühlt sich leicht ab, doch angekündigte Ratenerhöhungen und anhaltende Störungen machen die weitere Entwicklung ungewiss.
Das erfordert eine gute Vorbereitung. Holen Sie rechtzeitig Tarife ein, vergleichen Sie mehrere Routen und Abfahrtsoptionen und berücksichtigen Sie Zuschläge sowie die Gültigkeitsdauer von Angeboten. Auch klare Vereinbarungen zu Incoterms, Cut-off-Zeiten und Dokumentation verhindern Überraschungen.
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…eine „Blank Sailing“ bedeutet, dass eine Reederei eine geplante Abfahrt komplett streicht? Mit zehn gestrichenen Abfahrten pro Woche entziehen die Reedereien bewusst Kapazitäten aus dem Markt, um die Containerraten auf einem hohen Niveau zu halten.
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