Höhere Dieselpreise treiben die Kosten in der Binnenschifffahrt ab
Ein Anstieg des Dieselpreises um 39 Prozent könnte die Gesamttransportkosten in der Binnenschifffahrt um 5 bis 9 Prozent erhöhen. Dies berechnet das Wissensinstitut für Mobilitätspolitik (KiM) auf der Grundlage des Preisanstiegs zwischen Februar und April 2026, wie Nieuwsblad Transport und Schuttevaer über Headliner berichten. Die Analyse wurde angesichts der Lage im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf den Energiemarkt erstellt.
In der ersten Februarwoche kostete Diesel laut KiM etwa 1,81 Euro pro Liter. Anfang April lag der Preis bei 2,52 Euro, was einem Anstieg von 39 Prozent entspricht. Für die Berechnung berücksichtigte das Institut den Anteil der Kraftstoffkosten an den gesamten Transportkosten: Dieser lag im Jahr 2024 für die Binnenschifffahrt (ohne Schubschifffahrt) bei 12 bis 23 Prozent. Das KiM geht dabei von einer Situation aus, in der sich der höhere Dieselpreis eins zu eins auf die Kraftstoffkosten auswirkt.
Weitergabe an den Verlader
Eine höhere Dieselrechnung muss nicht vollständig zu Lasten des Transportunternehmens gehen. Im Güterverkehr werden Kraftstoffklauseln verwendet, um Änderungen der Kraftstoffkosten an die Kunden weiterzugeben. Laut KiM gibt es solche Vereinbarungen auch in der Binnenschifffahrt und im Schienengüterverkehr. Wie viel von der Erhöhung letztendlich auf den Verlader entfällt, hängt von den getroffenen Preisvereinbarungen und dem Zeitraum ab, in dem die Kosten angepasst werden können.
Auswirkungen auf das Transportvolumen ungewiss
Die höheren Transportkosten können sich auch auf das Transportvolumen auswirken, wobei das KiM betont, dass es hierzu keine genaue aktuelle Schätzung gibt. Das Institut arbeitet daher mit sogenannten Elastizitäten: Kennzahlen, die angeben, wie stark die Nachfrage auf eine Preisänderung reagiert. Für die Binnenschifffahrt reicht diese Elastizität von -0,28 bis -2,6. Auf dieser Grundlage könnte der Kostenanstieg von 5 bis 9 Prozent zu einem Rückgang der Tonnenkilometer um 1 bis 23 Prozent führen – eine große Bandbreite, die sich aus bestehenden Studien ergibt, aber ausdrücklich keine Prognose des KiM darstellt. Die Auswirkungen unterscheiden sich zudem je nach Ladungsart und Transportentfernung.
Die Beträge, um die es dabei geht, sind beträchtlich. Die internationale Binnenschifffahrt verbrauchte im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 71 Millionen Liter Schiffsdiesel pro Monat; die inländische Binnenschifffahrt lag bei etwa 32 Millionen Litern. Das KiM weist darauf hin, dass höhere Kraftstoffpreise vor allem langfristig zu Verhaltensänderungen führen, mit möglichen Folgen für die Verkehrsströme und den Verbrauch fossiler Brennstoffe.
Auch der Straßenverkehr wird deutlich teurer
Die Binnenschifffahrt steht damit nicht allein da. Der belgische Transportverband Febetra warnt laut Transport Online vor rasch steigenden Dieselkosten im Straßenverkehr: Seit dem 1. September stieg der Preis für gewerblichen Diesel um 8,26 Prozent, und im Vergleich zum 1. Januar 2026 beträgt der Anstieg mittlerweile 50,40 Prozent. Grund dafür ist laut dem belgischen Institut ITLB die Wiederaufnahme der Luftangriffe auf den Iran.
Das ITLB berechnete, dass die Gesamtkosten des allgemeinen nationalen Straßengüterverkehrs dadurch seit Januar um 8,71 Prozent gestiegen sind; beim internationalen Transport beträgt der Anstieg 8,12 Prozent. Febetra bezeichnet die Weitergabe der höheren Kraftstoffkosten über eine Dieselklausel als „absolutes Muss“ und erklärt, dass andernfalls der Fortbestand der Transportunternehmen gefährdet sei. Das ITLB weist dabei darauf hin, dass die Kostenindizes zum 1. September die späteren Preissteigerungen dieses Monats noch nicht berücksichtigen.
Auswirkungen für Importeure und Exporteure
Die Botschaft für Verlader ist zweigeteilt. Ja, der Transport per Binnenschiff wird teurer: Die KiM-Zahlen zeigen, dass sich der Dieselpreisanstieg über Kraftstoffklauseln früher oder später in den Binnenschifffahrtspreisen niederschlägt. Die Zahlen zeigen aber auch, dass der Straßengüterverkehr mindestens ebenso stark betroffen ist – die Gesamtkosten einer Lkw-Fahrt sind seit Januar um gut 8 Prozent gestiegen. Die relative Position der Binnenschifffahrt im Transportmix bleibt damit unangefochten: pro Tonne Fracht in der Regel günstiger als der Lkw und mit einem geringeren CO₂-Ausstoß pro transportiertem Container.
Allerdings ist Vorsicht geboten. Achten Sie bei Angeboten auf Treibstoffklauseln und Zuschläge und berücksichtigen Sie, dass die Tarife zwischenzeitlich angepasst werden können, solange sich der Dieselpreis bewegt. Wer Transporte plant, tut gut daran, rechtzeitig ein Angebot einzuholen und die Bedingungen bezüglich der Treibstoffkosten genau zu prüfen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Kombination aus Binnenschiff, Bahn und Straße für Ihre Ladung in diesem Markt am besten geeignet ist, lassen Sie sich individuell beraten.
die internationale Binnenschifffahrt im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 71 Millionen Liter Schiffsdiesel pro Monat verbraucht hat? Die inländische Binnenschifffahrt kam laut KiM auf etwa 32 Millionen Liter pro Monat. Jeder Cent Preisunterschied pro Liter schlägt sich daher direkt in Millionen Euro an Treibstoffkosten nieder.
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