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Post by Jul 28, 2026 1:02:38 PM · 4 min read

Binnenschifffahrt in Rhein aufgrund extrem niedriger Wasserstände

Die Binnenschifffahrt auf dem Rhein gerät durch extrem niedrige Wasserstände zunehmend unter Druck. Der Containerbarge-Betreiber Contargo warnt davor, dass die Schifffahrt auf Teilen des Rheins bald wirtschaftlich nicht mehr tragbar sein wird.

Die Wasserstände an mehreren Messstellen sind bereits unter kritische Schwellenwerte gesunken. Für die kommenden Tage wird laut Prognosen ein weiterer Rückgang erwartet. Dadurch drohen vorübergehende Aussetzungen der regulären Binnenschifffahrtsverbindungen in wichtige deutsche Hinterlandregionen.

Binnenschifffahrt auf dem Rhein erreicht kritische Grenze

Der Rhein ist einer der wichtigsten Logistikkorridore Europas. Über den Fluss werden Container, Schüttgut, Baumaterialien, Chemieprodukte und Industriegüter zwischen Seehäfen und dem europäischen Hinterland transportiert. Wenn der Wasserstand zu niedrig wird, können Binnenschiffe deutlich weniger Ladung befördern.

Laut Contargo liegt der Wasserstand bei Emmerich bei 18 Zentimetern, bei Duisburg-Ruhrort bei 171 Zentimetern, bei Köln bei 83 Zentimetern und bei Kaub bei 36 Zentimetern. Damit liegen alle genannten Messstellen unter den vertraglich festgelegten Schwellenwerten, bei deren Unterschreitung die Beförderungsverpflichtung entfällt.

Für Unternehmen, die auf die Binnenschifffahrt angewiesen sind, bedeutet dies, dass die Transportplanung unsicher wird. Schiffe können zwar noch fahren, jedoch nur mit einem viel geringeren Teil ihrer normalen Kapazität. Dadurch steigen die Kosten pro Container und die Zuverlässigkeit fester Fahrpläne nimmt ab. Weitere Informationen zu kombinierten Lösungen finden Sie auf der Seite Multimodaler Transport.

Der Wasserstand sinkt bis Ende Juli weiter

Es wird erwartet, dass sich die Situation weiter verschlechtert. Den Prognosen zufolge könnte der Wasserstand bis zum 30. Juli 2026 auf 8 Zentimeter bei Emmerich, 164 Zentimeter bei Duisburg-Ruhrort, 71 Zentimeter bei Köln und 23 Zentimeter bei Kaub sinken.

Insbesondere Kaub ist ein wichtiger Messpunkt für die Rheinschifffahrt in Richtung Süddeutschland. Wenn der Wasserstand dort extrem niedrig ist, wird die Beladungsfähigkeit der Schiffe stark eingeschränkt. Contargo gibt an, dass bei einem Wasserstand von 25 Zentimetern ab Kaub keine Binnenschifffahrt mehr möglich ist.

Dieser Rückgang kann erhebliche Auswirkungen auf die Containerströme zwischen Rotterdam, Antwerpen, Deutschland und der Schweiz haben. Weniger Ladekapazität bedeutet mehr Transportbewegungen, höhere Tarife und ein erhöhtes Risiko für Verzögerungen in der Hinterlandkette.

Contargo warnt vor vorübergehender Einstellung

Contargo warnt davor, dass bei Eintreten der Prognosen reguläre Binnenschifffahrtsdienste von und nach dem Oberrhein, dem Mittelrhein und der Rhein-Main-Region vorübergehend ausgesetzt werden könnten. Nach Angaben des Betreibers können Binnenschiffe dann nur noch einen sehr begrenzten Teil ihrer regulären Ladekapazität nutzen.

Ab einem bestimmten Punkt ist ein zuverlässiger und wirtschaftlich vertretbarer Transport per Binnenschiff nicht mehr gewährleistet. Das bedeutet, dass kurzfristig weitreichende operative Maßnahmen folgen können. Für Verlader kann dies zu angepassten Routen, anderen Verkehrsträgern oder längeren Durchlaufzeiten führen.

Für die internationale Logistik ist dies ein deutliches Signal. Die Binnenschifffahrt ist bei großen Volumina effizient und nachhaltig, doch bei anhaltender Trockenheit wird dieser Verkehrsträger anfällig. Unternehmen müssen dann schnell auf die Bahn, den Lkw oder eine Kombination aus verschiedenen Lösungen umsteigen.

Bahn und Lkw als vorübergehende Alternative

Contargo empfiehlt, Container in den betroffenen Regionen überwiegend per Bahn oder Lkw zu transportieren, wenn die Wasserstände weiter sinken. Das kann die Kontinuität des Transports verbessern, erfordert jedoch zusätzliche Kapazitäten und Planung.

Eine schnelle Umstellung auf andere Verkehrsträger ist nicht immer einfach. Die Kapazitäten im Schienenverkehr sind begrenzt, und der Lkw-Transport hängt von Fahrern, verfügbaren Fahrzeugen, der Auslastung der Straßen und den Ladezeiten ab. Zudem können die Kosten steigen, wenn viele Verlader gleichzeitig auf dieselben Alternativen zurückgreifen müssen.

Für Unternehmen ist es daher ratsam, Sendungen rechtzeitig zu besprechen. Bei kritischen Lieferungen kann es erforderlich sein, Abfahrtstermine, Verkehrsträger, Bestimmungsorte und die Bestandsplanung neu zu bewerten. Lesen Sie auch mehr über Containerabfertigung, Seefracht und Tarifanfragen.

Niedrigwasserzuschläge steigen stark an

Wenn ein Transport per Schiff dennoch möglich ist, fallen Niedrigwasserzuschläge an. Unter den derzeitigen Umständen können diese laut Contargo bis zu 180 Euro pro 20-Fuß-Container für Emmerich, bis zu 335 Euro für die Region Duisburg-Ruhrort und bis zu 320 Euro für die Region Köln betragen.

Diese Zuschläge gleichen die geringere Ladekapazität der Schiffe aus. Ein Binnenschiff, das normalerweise viele Container befördern kann, muss bei Niedrigwasser mit weniger Ladung fahren. Dadurch steigen die Kosten pro Einheit, und die Betreiber müssen für dasselbe Volumen mehr Kapazität einsetzen.

Für Importeure und Exporteure bedeutet dies, dass die gesamten Logistikkosten höher ausfallen können als erwartet. Dabei spielen nicht nur die Seefracht- oder Terminalkosten eine Rolle, sondern auch Hinterlandkosten, Zuschläge, zusätzlicher Umschlag und eine eventuelle Verlagerung auf Schiene oder Lkw.

Auswirkungen für Verlader und Spediteure

Für Verlader und Spediteure sorgt der niedrige Wasserstand des Rheins für unmittelbare Unsicherheit. Sendungen in den Oberrhein, den Mittelrhein und die Rhein-Main-Region können sich verzögern oder müssen über alternative Routen transportiert werden.

Für Unternehmen mit festen Lieferterminen kann dies zusätzlichen Druck bedeuten. Produktionslinien, Bauprojekte, Distributionszentren und Großhändler sind oft auf eine vorhersehbare Anlieferung angewiesen. Wenn Container nicht rechtzeitig eintreffen, kann dies Auswirkungen auf die Planung, den Lagerbestand und Kundenvereinbarungen haben.

TOP verfolgt die Entwicklungen rund um die Binnenschifffahrt, Niedrigwasser und Hinterlandverbindungen aufmerksam. Für Kunden bleibt es wichtig, rechtzeitig umzuschwenken, Alternativen offen zu halten und mögliche Zuschläge oder geänderte Durchlaufzeiten zu berücksichtigen.

Die Binnenschifffahrt bleibt wichtig, erfordert aber Flexibilität

Die Situation auf dem Rhein zeigt, wie wichtig Flexibilität in Logistikketten ist. Die Binnenschifffahrt bleibt ein starker Verkehrsträger für große Volumina, ist jedoch auf ausreichende Wassertiefe angewiesen. Bei extremem Niedrigwasser können sich vertragliche Vereinbarungen, Fahrpläne und Kostenniveaus schnell ändern.

Unternehmen, die strukturell auf die Binnenschifffahrt setzen, tun gut daran, Szenarien parat zu haben. Dabei kann es sich um alternative Terminals, zusätzliche Lagerbestände, Schienenlösungen, den vorübergehenden Einsatz von Lkw oder angepasste Vereinbarungen mit Kunden handeln.

Bei anhaltender Trockenheit hängt eine zuverlässige Logistik nicht von einem einzigen Verkehrsträger ab, sondern von der richtigen Kombination verschiedener Möglichkeiten. Genau darin liegt der Wert einer multimodalen Planung und einer guten Kommunikation zwischen Verlader, Spediteur, Terminal und Transportunternehmen.

Wusstest du, dass…

…bei Niedrigwasser nicht die Länge eines Schiffes, sondern vor allem der Tiefgang entscheidend ist? Je niedriger der Wasserstand, desto weniger Ladung kann ein Binnenschiff sicher und wirtschaftlich befördern.

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