MSC führt einen Piraterie-Zuschlag und einen Panama-Kanal-Zuschlag ein
Die Liste der Sonderzuschläge in der Containerschifffahrt wird erneut erweitert. MSC, die weltweit größte Containerschifffahrtsgesellschaft, führt laut „Nieuwsblad Transport“ einen Piraterie-Risikoaufschlag aufgrund der Pirateriegefahr rund um die Arabische Halbinsel ein. Darüber hinaus müssen europäische Kunden der Reederei einen Panamakanal-Aufschlag in Kauf nehmen.
Die Höhe, das Datum des Inkrafttretens und die genauen Fahrtgebiete beider Zuschläge hat MSC noch nicht umfassend bekannt gegeben; „Nieuwsblad Transport“ berichtete am 4. September darüber. Klar ist jedoch die Tendenz: Reedereien berechnen ihren Kunden die Kosten für Risikogebiete und Engpässe im Schifffahrtsnetz immer häufiger über separate, benannte Zuschläge zusätzlich zum Grundtarif.
Warum ein Piraterie-Zuschlag?
Der „Piracy Risk Surcharge“ hängt mit der verschlechterten Sicherheitslage rund um die Arabische Halbinsel zusammen, darunter auch in den Gewässern rund um den Golf von Aden und Somalia. TOP berichtete bereits Ende August, dass somalische Piraten seit April sechs Handelsschiffe gekapert haben, während sich Marineschiffe aufgrund des Konflikts um den Iran in den Nahen Osten verlagern und die Anti-Piraterie-Mission Atalanta dadurch Kapazitätsengpässe hat.
Für Reedereien bedeutet dies höhere Kosten für Versicherungen, Sicherheitsmaßnahmen an Bord und gegebenenfalls Umleitungen. Mit einem gesonderten Aufschlag macht MSC diese Kosten explizit und wälzt sie auf die Ladung ab, die das Risikogebiet durchfährt.
Der Panama-Kanal-Zuschlag kommt nicht aus heiterem Himmel
Auch der Panamakanal-Zuschlag fügt sich in ein breiteres Muster ein. Der Kanal hat aufgrund anhaltender Dürre mit Tiefgangbeschränkungen zu kämpfen, wodurch Schiffe weniger Fracht transportieren können und die Kosten pro Container steigen. Der Konkurrent CMA CGM hatte bereits zuvor angekündigt, seinen „Panama Canal Adjustment Factor“ zum 10. September auf 500 Dollar pro Standardcontainer anzuheben, wie TOP im August unter Berufung auf die Reederei selbst berichtete.
Dass MSC nun mit einem eigenen Kanalzuschlag für europäische Kunden nachzieht, bestätigt die Erwartung von Marktanalysten, dass Reedereien die Zuschläge der anderen schnell kopieren, sobald ein Engpass strukturell wird.
Die Liste der Zuschläge wird immer länger
Die neuen Zuschläge kommen zu einer bereits stark angewachsenen Liste hinzu. Seit Ausbruch des Konflikts um den Iran haben große Reedereien Kriegszuschläge eingeführt, die sich auf bis zu mehrere tausend Dollar pro Container belaufen können, und es gelten Treibstoffzuschläge sowie Abgaben für das europäische Emissionshandelssystem. Auch die Versicherungsprämien für Risikogebiete wie das Rote Meer sind in die Höhe geschossen, wie TOP bereits Anfang des Jahres berichtete.
Wie viele Zuschläge noch hinzukommen werden, lässt sich nicht vorhersagen. Zur Verdeutlichung: Solange sich geopolitische Risiken, Klimaauswirkungen und regulatorische Auflagen weiter häufen, liegt es auf der Hand, dass Reedereien jeden neuen Engpass mit einem eigenen Zuschlag belegen. Der Basistarif sagt daher immer weniger über den tatsächlichen Preis einer Seetransportleistung aus.
Sind all diese Zuschläge überhaupt gerechtfertigt?
Darüber gehen die Meinungen auseinander, und die ehrliche Antwort lautet: Das ist von Zuschlag zu Zuschlag unterschiedlich. Einerseits sind die zugrunde liegenden Kosten real. Versicherer berechnen höhere Prämien für Risikogebiete, Sicherheitsmaßnahmen und Umwege kosten Geld, und ein Schiff, das aufgrund von Tiefgangbeschränkungen nur halb beladen fährt, verdient weniger, während die Kosten weiterlaufen.
Andererseits gibt es strukturelle Kritik an der Begründung. Verladerorganisationen, in den Niederlanden unter anderem Evofenedex, werfen Reedereien vor, dass Zuschläge manchmal mehr einbringen als die tatsächlichen Mehrkosten, und Analysten wie Simon Heaney von Drewry weisen auf den Mangel an Transparenz hin: Kunden erhalten eine kurze Mitteilung, selten eine Berechnung, wie TOP bereits zuvor feststellte. Für Verlader lautet die Lehre daraus, dass ein Zuschlag kein Naturphänomen ist, sondern eine Preiskomponente, zu der Fragen gestellt werden dürfen.
Auswirkungen für Importeure und Exporteure
Praktisch bedeutet diese Nachricht, dass der Gesamtpreis eines Containers schwankungsanfälliger wird: Zwischen Angebot und Verladung kann ein Zuschlag hinzukommen oder sich ändern. Fordern Sie daher rechtzeitig ein Angebot an, achten Sie auf die Gültigkeitsdauer und fragen Sie ausdrücklich nach, welche Zuschläge enthalten sind. Wer kommt dann dafür auf? Das hängt von den Liefervereinbarungen ab: Die Incoterms legen fest, ob der Käufer oder der Verkäufer die Frachtkosten und damit die Zuschläge trägt.
Bei Transporten durch Risikogebiete lohnt es sich zudem, den Versicherungsschutz der Transportversicherung zu überprüfen; auch Versicherer passen Bedingungen und Prämien an die aktuelle Situation an. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Route, welche Reederei oder welche Kostenstruktur für Ihren Warenfluss am günstigsten ist, lassen Sie sich unverbindlich beraten. TOP vergleicht Reedereien und Zuschläge pro Sendung und berechnet den tatsächlichen Gesamtpreis im Voraus.
…fast jeder Zuschlag in der Containerschifffahrt einen eigenen Namen und eine eigene Abkürzung hat? Der neue Piracy Risk Surcharge von MSC reiht sich in bekannte Beispiele wie den Treibstoffzuschlag (BAF), Kriegs- und Kanalzuschläge ein. Auf einer Rechnung können somit neben dem Grundpreis mehrere Zuschläge aufgeführt sein.
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