Hafenstau bricht Rekord: 4,3 Millionen TEU stehen in der Warteschlange
Weltweit warten mehr als 4,3 Millionen TEU an Containerschiffskapazität auf einen Liegeplatz in den Häfen. Damit wurde in absoluten Zahlen das Niveau der großen Störungen aus dem Jahr 2022 überschritten, berichtet Transport Online auf der Grundlage von Zahlen des Analysten Linerlytica. Nach Angaben des Rotterdamer Technologieunternehmens PortXchange zeigt die Situation, dass Reedereien, Häfen, Terminals und Dienstleister Informationen früher austauschen müssen, um Verzögerungen und unnötigen Treibstoffverbrauch zu begrenzen.
Während der Störungen im Jahr 2022 erreichte die wartende Kapazität einen Höchststand von etwa 4 Millionen TEU; die aktuellen 4,3 Millionen TEU liegen also darüber. Allerdings gibt es eine Nuance: Die weltweite Containerflotte ist seitdem gewachsen, wodurch der Anteil der Gesamtflotte, der sich derzeit in der Warteschlange befindet, geringer ist als damals. Der Rekord ist somit absolut, nicht relativ.
Stürme in Ostasien als unmittelbarer Auslöser
Ein wesentlicher Teil des jüngsten Anstiegs ist laut Transport Online auf Ostasien zurückzuführen, wo Stürme die Fahrpläne von Containerschiffen durcheinandergebracht haben. PortXchange warnt jedoch davor, die Überlastung lediglich als vorübergehenden Wettereffekt zu betrachten. „Es ist einfach, den Häfen die Schuld zu geben“, sagt Sjoerd de Jager, Geschäftsführer und Mitbegründer von PortXchange, doch damit sei das Problem seiner Meinung nach nicht gelöst.
Ein Hafenanlauf hänge laut De Jager von den Entscheidungen von Reedereien, Terminals, Lotsen, Agenten und anderen Dienstleistern ab. Wenn diese Parteien mit unterschiedlichen oder zu spät eingegangenen Informationen arbeiten, werde die Bewältigung von Störungen wesentlich schwieriger. Auch das Marktforschungsunternehmen Drewry weist laut PortXchange auf steigende Wartezeiten und eine sinkende Zuverlässigkeit der Fahrpläne hin.
Schneller fahren, um dann stillzustehen
Der größte Gewinn liegt laut PortXchange darin, frühzeitig einzugreifen, sobald bekannt ist, dass ein Schiff nicht sofort anlegen kann. Es macht wenig Sinn, dass ein Schiff mit voller Geschwindigkeit auf einen Hafen zusteuert, um dort anschließend stunden- oder tagelang vor Anker zu liegen. Wenn Informationen über Verzögerungen früh genug an Bord eintreffen, kann die Geschwindigkeit angepasst und so Treibstoff, Zeit und Kosten eingespart werden.
Dieser Effekt wurde beziffert. Frühere Untersuchungen des UCL Energy Institute und von UMAS ergaben laut PortXchange, dass besser geplante Hafenanläufe, bei denen Überlastung und Wartezeiten berücksichtigt werden, die Emissionen von Containerschiffen während der Fahrt um durchschnittlich etwa 10 Prozent senken können. Bei anderen Schiffstypen sind die möglichen Einsparungen sogar noch größer.
Keine einzelne Partei kann Staus allein lösen
PortXchange betont, dass es wenig Sinn macht, einer einzigen Partei die Verantwortung zuzuschreiben. Häfen haben keinen Einfluss auf Extremwetter oder geopolitische Konflikte. Reedereien können keine Liegeplatzkapazitäten schaffen, die nicht vorhanden sind, und Terminals können Störungen im gesamten Schifffahrtsnetzwerk nicht eigenständig beheben.
Was die beteiligten Parteien jedoch tun können, ist vielmehr, Informationen auszutauschen und ihre Planung besser aufeinander abzustimmen. Laut De Jager kann die Branche nicht weiterhin mehr Fracht, eine schnellere Wiederherstellung und weniger Emissionen fordern, solange Entscheidungen auf der Grundlage fragmentierter Informationen getroffen werden.
Digitale Zusammenarbeit als Teil der Lösung
PortXchange entwickelt selbst digitale Systeme für Häfen und den maritimen Sektor, darunter „EmissionInsider“ zur Transparenz von Emissionen und „Synchronizer“ zum Austausch geplanter, erwarteter und tatsächlicher Zeitpunkte eines Hafenanlaufs. Dabei kommen unter anderem künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zum Einsatz. De Jager merkt dazu an, dass Technologie an sich keinen zusätzlichen Liegeplatz schafft und keinen Sturm aufhält, den Menschen aber frühzeitig bessere Informationen liefert. Diese Entwicklung ist in der Branche allgemein zu beobachten: Logistikunternehmen arbeiten immer häufiger mit Spezialisten für Daten und Digitalisierung zusammen, um Entscheidungen früher und fundierter zu treffen.
Auswirkungen für Importeure und Exporteure
Für Verlader bedeutet die Überlastung der Häfen längere und vor allem weniger vorhersehbare Durchlaufzeiten. Ein Schiff, das tagelang vor der Küste wartet, verzögert Ankünfte, den Anschlussverkehr und Liefertermine. Die Lehre aus diesen Nachrichten gilt auch für die eigene Lieferkette: Je früher Informationen über Verzögerungen weitergegeben werden, desto geringer ist der Schaden. TOP hält daher Ankunfts- und Abfahrtszeiten über die TOP-Plattform aktuell und transparent, und Kunden können diese Informationen über API-Integrationen direkt in ihre eigenen Systeme beziehen.
Praktischer Rat: Planen Sie bei Sendungen über stark frequentierte Häfen einen Zeitpuffer ein und legen Sie den Weitertransport erst dann endgültig fest, sobald die Ankunftszeit zuverlässig feststeht. Klare Vereinbarungen zur Containerabfertigung verhindern zudem unnötige Kosten für Lagerung oder verspätet zurückgegebene Container. Und wer Nachhaltigkeit im Blick hat: Weniger Wartezeiten bedeuten direkt einen geringeren Kraftstoffverbrauch und somit niedrigere CO₂-Emissionen in der Lieferkette.
…besser geplante Hafenankünfte die Emissionen von Containerschiffen während der Fahrt um durchschnittlich etwa 10 Prozent reduzieren können? Das haben das UCL Energy Institute und UMAS laut PortXchange berechnet; bei anderen Schiffstypen ist die mögliche Einsparung sogar noch größer.
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